Seit gut einem Jahr helfen Beraterinnen in Albstadt und Hechingen jungen Menschen mit Migrationshintergrund, ihr Leben auf einen guten Weg zu bringen. Oftmals sind sie die Einzigen, zu denen die jungen Migranten und Migrantinnen mit ihren Sorgen und Problemen kommen können.
Eine schlechte Mathenote, ein neuer Brief von der Ausländerbehörde, ein Bewerbungsschreiben für eine Ausbildungsstelle: Die Herausforderungen, die Isabell Lörch in Albstadt und Sonja Störzer in Hechingen jede Woche mit ihren jungen Schützlingen angehen, sind vielfältig. Die meisten jungen Migranten, die zu den Beraterinnen des Jugendmigrationsdienstes (JMD) im Zollernalbkreis kommen, sind Geflüchtete. Sie seien vor allem mit dem vielen amtlichen Schriftverkehr überfordert.
Komplizierte Anträge und unwichtige Flyer
Isabell Lörch muss lächeln, als sie erzählt, dass ein junger Mann ihr einmal ganz aufgeregt einen bunten Flyer der Stadtwerke mitgebracht habe und fragte, was er denn nun damit anfangen solle. »Viele der jungen Menschen, die ich berate, sind noch nicht lange in Deutschland, sprechen die Sprache nicht gut - natürlich fällt es ihnen schwer, einzuordnen, was wichtig ist und was nicht.« Sie erhalten eine Flut von offiziellen Schreiben, Formularen und Anträgen. Die meisten seien diese Art von Bürokratie nicht gewohnt. Die Sprache sei oft die größte Hürde, so Isabell Lörch. Amtliche Papiere in Deutschland seien kompliziert, umständlich und unverständlich formuliert. Jeder, der schon einmal einen BAföGAntrag ausgefüllt habe, könne das gewiss nachvollziehen. Für die Gespräche mit ihr reichen bei manchen jungen Migranten die Deutschkenntnisse aus, viele sprechen auch Englisch. Wenn die Kommunikation gar nicht funktioniert, steht ein Sprachvermittler zur Verfügung. Wie die Sozialberaterin den Jugendlichen helfen kann, unterscheidet sich von Fall zu Fall. Die meisten besitzen eine Aufenthaltsgenehmigung. Diese unterstützt sie dabei, ihr Leben in Deutschland zu sortieren, gibt Orientierung und zeigt Möglichkeiten auf: Welche Schule kann besucht werden, welche Ausbildung ist interessant, welche Förderung muss beantragt werden?
Wer keine Zukunft sieht, fällt in ein Loch
Andere Fälle sind komplizierter. Isabell Lörch erzählt von einem jungen Mann, dem sie bei der Bewerbung zur Seite steht. Momentan ist er in Deutschland nur geduldet, da er keinen Pass vorlegen kann. Um die Lehrstelle zu bekommen, die er so gern antreten würde, muss er sich in seinem Heimatland um diesen Pass bemühen. Doch sobald er ihn hat, könnte ihm auch die Abschiebung drohen. Ein deprimierender Stillstand. »Für alle Jugendlichen gilt: Wer keine Zukunft für sich sieht, versinkt in einem tiefen Loch«, so Isabell Lörch. Deshalb sei es so wichtig, dass die Caritas im JMD Perspektiven aufzeigen kann: »Diese jungen Menschen haben jede Chance verdient.«
Sie sind oft ganz auf sich allein gestellt oder kommen aus schwierigen Familien und haben keinerlei Unterstützung.«Sie sind oft ganz auf sich allein gestellt oder kommen aus schwierigen Familien und haben keinerlei Unterstützung.« Eine solche Ausgangslage führe oft zu sozialen Schwierigkeiten. Die Jugendlichen verstünden das Bildungssystem nicht oder hätten keine Ahnung, wie sie soziale Kontakte knüpfen könnten. »Wenn sie zum JMD kommen, ist es manchmal das erste Mal, dass ihnen jemand zuhört und anbietet, schwierige Aufgaben mit ihnen gemeinsam anzugehen «, so Mechthild Uhl-Künzig. Sei die erste Scheu überwunden und eine Gesprächsbasis geschaffen, entwickelten sich die Beraterin schnell zu Vertrauenspersonen.
Angebot gilt für alle jungen Migranten
Sie sind oft ganz auf sich allein gestellt oder kommen aus schwierigen Familien und haben keinerlei Unterstützung.« Eine solche Ausgangslage führe oft zu sozialen Schwierigkeiten. Die Jugendlichen verstünden das Bildungssystem nicht oder hätten keine Ahnung, wie sie soziale Kontakte knüpfen könnten. »Wenn sie zum JMD kommen, ist es manchmal das erste Mal, dass ihnen jemand zuhört und anbietet, schwierige Aufgaben mit ihnen gemeinsam anzugehen «, so Mechthild Uhl-Künzig. Sei die erste Scheu überwunden und eine Gesprächsbasis geschaffen, entwickelten sich die Beraterin schnell zu Vertrauenspersonen.
Seit gut einem Jahr gibt es das besondere Angebot in Albstadt und in Hechingen. Davor existierte im ganzen Zollernalbkreis keine spezielle Anlaufstelle für Jugendliche und junge Menschen mit Migrationshintergrund. Eine Migrationsberatung für Erwachsene dagegen bietet sowohl die Caritas Schwarzwald-Alb-Donau, zugehörig zur Diözese Rottenburg-Stuttgart, als auch der Caritasverband für das Dekanat Zollern, zugehörig zur Erzdiözese
Freiburg, schon länger an. Jugendmigrationsdienste gibt es deutschlandweit, die Caritas ist einer von vielen kirchlichen und gemeinnützigen Trägern. Ein wichtiger Grundsatz: Es spielt keine Rolle, ob jemand gerade erst nach Deutschland gekommen ist oder seine Familie schon länger hier lebt - der JMD hilft allen Zwölf- bis 27-Jährigen, die einen Migrationshintergrund haben. Finanziert werden die Stellen vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.
Jugendliche müssen intensiv betreut werden
Der JMD werde sehr gut angenommen, vor allem, weil die Caritas bereits als vertrauenswürdiger Partner aus anderen Projekten bekannt sei. »Durch unsere Angebote kennen wir eben schon viele Familien und wissen, wo die Probleme liegen«, sagt Mechthild Uhl-Künzig. »Die jungen Menschen müssen aber intensiv betreut werden, das kann nicht einfach der Migrationsdienst noch nebenher machen.«
Diözesanübergreifende Zusammenarbeit
Beide Caritasverbände hätten langjährige Erfahrung in den Bereichen der Flüchtlingssozialberatung, des Migrationsdienstes und der Jugendmigrationsarbeit. Da sei die gemeinsame Beantragung einer JMD-Stelle der nächste logische Schritt gewesen. Anstatt aber nur eine Anlaufstelle zu schaffen, gingen die Caritasverbände einen neuen Weg der Zusammenarbeit über diözesane Strukturen und Verwaltungsgrenzen hinweg: Sie teilen sich die Stelle - eine 50-Prozent-Kraft im Caritashaus in Albstadt, eine in Hechingen. »Sinnvoll«, findet Elmar Schubert, Geschäftsführer des Caritasverbandes Zollern. »Der Kreis ist groß. Durch die Aufteilung der Stellen können wir das Gebiet besser abdecken.« Auch Regionalleiterin Manuela Mayer betont: »Durch die Zusammenarbeit der beiden Caritasverbände kann die Versorgung im Flächenland gewährleistet werden. « So arbeitet die Caritas ungeachtet der diözesanen Grenzen zum Wohle des Gemeinwesens zusammen.
Info:
JugendmigrationsdienstBundesweit gibt es 470 Jugendmigrationsdienste (JMD), die junge Menschen mit Migrationshintergrund im Alter von zwölf bis 27 Jahren bei ihrem Integrationsprozess begleiten. Sie beraten die Jugendlichen individuell und finden passende Angebote, Ausbildungen oder Projekte für sie. Die JMDs sind Teil der Initiative »Jugend stärken « des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Träger sind unter anderem die Mitglieder der Bundesarbeitsgemeinschaft Katholische Jugendsozialarbeit (etwa die Caritas und der BDKJ), die Mitglieder der Bundesarbeitsgemeinschaft Evangelische Jugendsozialarbeit (etwa die Diakonie) und der Bundesverband der Arbeiterwohlfahrt. |
