Sie hören Menschen zu, die nicht mehr weiterwissen

Natürlich gehen ihnen besonders die komplexen Fälle, hinter denen bedauernswerte Schicksale stehen, zu Herzen. Dennoch haben sie gelernt, Distanz zu halten. „Das ist unsere Professionalität“, sagt Lilli Oster. Sie ist eine von drei Mitarbeiterinnen der Caritas, die im Heilig-Geist-Gemeindehaus ein- und ausgehen.

Albstadt

Im Mahatma-Gandhi-Raum im ersten Stock hat die Caritas Schwarzwald-Alb-Donau ein Büro, eine Außenstelle des Caritas-Zentrums Albstadt. Lilli Oster ist hauptsächlich für die Migrationsberatung für erwachsene Zuwanderer (MBE) sowie zu 20 Prozent für die soziale Beratung und Betreuung für Ausländerinnen und Aussiedlerinnen zuständig. Ihre Kollegin Isabell Lörch ist für die Sozial- und Lebensberatung verantwortlich und Christiane Mauch, die Dritte im Frauenbunde, macht die katholische Schwangerschaftsberatung. Lilli Oster und Christiane Mauch sind Sozialpädagoginnen; Isabell Lörch ist Erziehungswissenschaftlerin.

Rund 150 Klienten, so nennen die Frauen die Menschen, die hilfesuchend zu ihnen kommen, hat Isabell Lörch im Jahr 2016 zugehört. „Jeder kann zu mir kommen“, sagt sie. Nationalität, Beruf, Religion und Alter spielen dabei keine Rolle. Was treibt die Menschen in die Beratungsstelle? Oftmals sind es finanzielle Probleme, vielfach auch persönliche.

„Die Hemmschwelle ist groß, sie kommen erst, wenn gar nichts mehr geht“, erzählt Lörch, die seit fünf Jahren bei der Caritas ist. Ein Fall geht ihr sehr zu Herzen. Es geht um einen Mann, der an einer schweren, chronischen Erkrankung leidet und körperlich sehr eingeschränkt ist. Er wohnt im dritten Stock und findet keine ebenerdige Wohnung. „Er vereinsamt in seinem Gefängnis“, sagt Isabell Lörch. Sie verteilt, wenn die Not ganz akut ist, Tafelgutscheine und darf auch kleinere Barbeträge auszahlen.

Zum Klientel ihrer Kollegin Lilli Oster zählen viele syrische Flüchtlinge, aber auch Menschen aus anderen Nationen. „Ich kann ihnen unter die Arme greifen, indem ich sie zum Sprachkurs anmelde und sie ermutige, durchzuhalten“, berichtet Lilli Oster. Seit sie diese Arbeit macht, weiß sie: „Die Sprache ist der Schlüssel zur Integration.“

Lilli Oster überprüft zudem die Diplome und Arbeitsnachweise der Menschen, die zu ihr kommen. Am Ende des Verfahrens steht eine Teil- oder Vollanerkennung oder aber eine Ablehnung. Die Caritas-Mitarbeiterin hält engen Kontakt zu Konsulaten und zum Jobcenter. Die Verfahren – im vergangenen Jahr waren es 214 – sind sehr kompliziert und dauern in der Regel lange. Deshalb kennt Lilli Oster ihre Klienten über Jahre. Früher sei sie sogar zu Bewerbungsgesprächen mit gegangen. „Und es hat geklappt“, sagt sie lachend. Sie hat noch eine 20-Prozent-Stelle in der Beratung von Ausländern und Aussiedlern, die länger als zehn Jahre in Deutschland leben. „Einmal im Monat treffen wir uns zu einem internationalen Frühstück, das ist toll“, schwärmt sie.

Oft geht es ums Geld

Christiane Mauch war in der LEA, bevor sie vor eineinhalb Jahren die katholische Schwangerschaftsberatung übernommen hat. Sie hilft Schwangeren in jeder Lebenslage. Bei Bedarf begleitet sie die Frauen bis zum dritten Lebensjahr ihres Kindes. Oftmals geht es um rechtliche Fragen, wie Kindergeld oder Elternzeit; vielfach aber auch um sehr persönliche Dinge, wie Sexualität und Verhütung und Konflikte, die die Schwangerschaft mit sich bringt.

Auch Mauch, die im vergangenen Jahr mit zwei weiteren Kolleginnen insgesamt 233 Beratungen durchgeführt hat, blickt in ihrem Beruf in die Seele des Menschen und erfährt viel Leid. „Meistens geht es ums Geld“, erzählt sie. Deprimierend sei auch, dass es viele Familien gibt, die nicht über die Runden kommen, obwohl einer voll arbeitet. „Oft liegt es an der Beschäftigung bei einer Zeitarbeitsfirma“, ergänzt ihre Kollegin Lörch. Und ein großes Problem sei, dass es in den Städten des Kreises keine günstigen Wohnungen gebe.

Dass ihnen nicht immer die Wahrheit gesagt wird, damit kommen alle drei zurecht. „Dann muss man Tacheles reden“, sagt Isabell Lörch. Auch dann, wenn an der eigenen Not immer die anderen schuld sind. Ebenso lassen sich die drei Frauen auf keine Neiddebatten ein. „Diese AfD-Parolen wollen wir nicht hören“, sagt Lilli Oster energisch. „Die Menschen, die zu uns kommen, sind in großer Not, sie stehen mit nichts da“, meint Isabell Lörch. „Wir können sie unterstützen, ihr Leben müssen sie aber selbst in die Hand nehmen.“ Ihre Kolleginnen nicken mit nachdenklichem Blick.

Die Sprechzeiten

Migrationsberatung Lilli Oster ist dienstags von 10 bis 12 Uhr und von 13 bis 15 Uhr im Büro.

Sozial- und Lebensberatung Isabell Lörch ist mittwochs von 9 bis 12 Uhr im Büro.

Schwangerschaftsberatung Christiane Mauch hat montags von 8.30 bis 12 Uhr; donnerstags von 8.30 bis 12 Uhr und von 12 bis 17 Uhr sowie freitags von 8.30 bis 12 Uhr ihre Sprechzeiten.

Erreichbarkeit Die Telefonnummer der Caritas Schwarzwald-Alb-Donau lautet 07433/2602997. Weitere Informationen auf caritas-schwarzwald-alb-donau.de.